Factoring

Bei Factoring werden die Forderungen an einen Factor übertragen mit der Folge, dass er sie umgehend nach Rechnungsstellung auszahlt (abzüglich Sicherungsbeinhalt von häufig 15% – dieser Betrag wird gezahlt, wenn die Forderung vom Kunden beglichen wurde) und hierfür eine Provision erhält.
Somit ist klar, dass es sich bei Factoring nicht um eine direkte Eigenkapitalzufuhr wie bei Mezzanine handelt. Indirekt ein wenig, da sich die Eigenkapitalquote als Folge der Bilanzverkürzung erhöht (das Unternehmen hat auf der Aktiv-Seite weniger Forderungen und damit auf der Passiv-Seite weniger Kontokorrentkredite oder Kreditoren). Egal, für viele Unternehmer ist frisches Geld erstmals gutes Geld. Wie so vieles, sollte der Nutzen des Factorings stets im Einzelfall geprüft werden (wofür der Verfasser gerne zur Verfügung steht). Und wenn eine Bank eine Linie kürzt und es keine Alternativen gibt, ist Factoring sicherlich erstmal etwas Feines.
Aus Sicht des Verfassers verbleiben aber einige Kritikpunkte, die insbesondere Unternehmen mit besserer Bonität berücksichtigen sollten:

  • Bei einem plötzlichen Umsatzeinbruch (vgl. 2008) verbleibt weniger Zeit zum Handeln. Gehen Forderungen erst nach 6 Wochen ein, hat das Unternehmen trotz Umsatzeinbruch erst noch einen Mittelzufluß. Bei der Factor-Variante versiegt er sofort.
  • Unternehmen mit wenigen wichtigen Kunden müssen noch mehr auf deren Bonität bzw. Auftragshöhe achten. Factoring ist stets mit einer Kreditversicherung verbunden. Wird deren Limit überschritten, kauft der Factor temporär keine Forderungen des Kunden mehr an mit der Folge, dass der geplante Zufluß nicht erfolgt. Dies kann ein Problem bei Großaufträgen sein oder aber wenn das Limit gekürzt wird. Kurioses Erfahrung, die der Verfasser gemacht hat: Wichtiger Kunde hatte anderes Unternehmen mit guter Bonität übernommen. Da die Integration komplexer als gedacht war, kam das Unternehmen in Verzug bei der Bilanzerstellung. Der vorsichtige Factor sperrte sodann den wichtigen Kunden und wollte nichts mehr ankaufen. (Alles verständlich, aber für ein Unternehmen, das auf Factoring setzt, erstmal fatal.)
  • Bei kurzen Zahlungszielen ist der Nutzen von Factoring gering, die Kosten sind dann relativ höher.